made in china ist made in China. Lea Schneider bewegt sich durch sechs chinesische Metropolen, durch die chinesische Sprache, durch die chinesische Geschichte. Nanjing, Shanghai, Hong Kong, Taipei, Chengdu, Beijing — die Gedichte sind in den Städten entstanden, aber keines behauptet, sie zu kennen oder erklären zu wollen. Stattdessen sind sie ein zärtliches Sammeln und Suchen: Nach Objekten, Texten, Sprachfragmenten und Gerüchen, die uns viel näher liegen, als eine koloniale Sichtweise auf China nach wie vor behauptet. Was sie finden ist keine Stadt, kein Land: Sie finden ein Loch im Papier, das groß genug ist. Groß genug für Freundschaften mit Menschen, Büchern und Geistern. Groß genug für eine Nostalgie, die zwar in die Vergangenheit schaut, aber sich an die Gegenwart richtet — eine auf 350 km/h beschleunigte Gegenwart, gegen die Europa alt aussieht.

„Lea Schneider behauptet nicht zu kennen, nicht die eigene und auch nicht die fremdere Kultur, erklärt nicht, führt auf, nähert sich an, beschreibt, vorsichtig, respektvoll, achtsam. So schlägt sie überraschende Brücken zwischen den Sprachinseln, Objekten, Menschen, Geschlechtern. […] Begeisterung pur!“
Veronika Lichter, Bücherfrauen.de

„Wie schön, wenn der Begriff China-Watcher sich verändern würde, weniger klänge wie Kolonialsafari und nur noch anwendbar wäre auf Blicke, wie Lea Schneider sie hat. Blicke, die vieles gesehen haben und zugleich sagen: „ich habe das nicht gewusst“.“
Lin Hierse, taz

„Eine wohldurchdachte Verdichtung […] aus übersetzten Zitaten, Gesprächen, sinnlichen Wahrnehmungen, örtlichen und situativen Beschreibungen sowie sozio-politischen Kontextualisierungen, die zusammengenommen so etwas wie einen lyrischen Essay ergeben. […] Lea Schneider ist eine Sammlerin, die sich mit ihren greifbaren und immaterialen Trouvaillen durch Zeit und Raum bewegt, […] und diese Sammlerin bewahrt sich und ihrer Leserschaft stets diese ungeteilte Aufmerksamkeit für die feinen Zusammenhänge, stärkt den Mut für die eigenen Prämissen, vielleicht auch dies eine unentbehrliche Handreichung in Zeiten der Panik und des mancherorts aufsteigenden Zynismus.“
Marcus Neuert, Fixpoetry

„Und so liest sich der Text als ein Partisanenstück zwischen den Genres, […] wird zur Sehhilfe, zur Führung des Blicks. Andererseits lässt dieser Text, der formal aus Anaphern und Epiphern, Parellelismen überhaupt, Ellipsen und Motivvariationen gesponnen ist, den Leser*innen viel Freiheit, einen Ort zu finden. […] Die Vielstimmigkeit […] ist ein durchgängiges Verfahren des Textes und von der Gestalterin Andrea Schmidt durch senkrecht fallende Annotationen hervorgehoben. […] Die Überfülle der Bezüge, die Fülle der Meinungen, sie stehen ganz im Sinne chinesischer Philosophie dem Nichts gegenüber.“
Monika Littau, Fixpoetry